Auf dem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) wurden Langzeitstudien einer medikamentösen Kombinationstherapie für die Zeit nach der Hypophysen-Operation vorgestellt. Der Bericht aus Patientensicht stellt die vielversprechenden Ergebnisse leicht verständlich dar.
Margot Pasedach hat das Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 4.-7. März 2009 in Gießen besucht und davon die neuesten Erkenntnisse in der Therapie der Akromegalie mitgebracht. Die Autorin ist in der Selbsthilfe engagiert und in der Patientenaufklärung tätig.
Die Hauptthemen des Symposiums waren Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Fehlfunktionen von Hormondrüsen des Körpers stehen, wie zum Beispiel der Akromegalie.
Der Bericht erklärt einführend Grundlagen, die es dem Leser ermöglichen, die Inhalte der Fachveranstaltung leicht zu verstehen.
Darüber hinaus werden interessante Hintergrundinformationen zum Symposium sowie zum Veranstalter gegeben. Kurz wird auch das häufig als kritisch betrachtete Thema der Zusammenarbeit von Pharmaindustrie und Wissenschaft beleuchtet.
Der größte Teil des Berichts widmet sich einer ausgewählten Teilveranstaltung, die besonders für Patienten mit Akromegalie von Interesse ist. Dabei handelt es sich um das Symposium mit dem Fokusthema „Die Versorgung akromegaler Patienten in Deutschland - Anspruch und Wirklichkeit", das vom Pharmaunternehmen Novartis veranstaltet wurde. Der Bericht erläutert ausführlich die drei Vorträge sowie die anschließenden Fachdiskussionen und zieht ein leicht verständliches Resümee aus Patientensicht.
Die ersten beiden Vorträge stellten zwei Sichtweisen - die des Endokrinologen und die des Neurochirurgen - zum Thema „Follow-up von Patienten mit Akromegalie: Wie sieht die Realität aus?" gegenüber.
Der Vortragende Prof. Schöfl referierte über die Möglichkeiten und Grenzen der Operation (OP) bei Akromegalie. Er stellte seine Studie zur Qualität der Nachsorge akromegaler Patienten vor. Prof. Schöfl schickte voraus, dass gerade bei Akromegalie Nachsorgeuntersuchungen (Follow-up-Untersuchungen) wichtig seien. Denn häufig träten auch postoperativ noch erhöhte IGF-1-Werte auf. Selbst die medikamentöse Therapie gehe zuweilen noch mit erhöhten IGF-1-Werten einher. Bei durch die OP geheilten Patienten sei die Bildung eines Rezidivs möglich.
Die vorgestellten Daten zeigten, dass die Lebenserwartung nach der OP durch erhöhte IGF-1-Werte vermindert wurde. Deshalb wird dem akromegalen Patient nachdrücklich eine regelmäßige Nachsorge empfohlen, die möglichst von einem Endokrinologen durchgeführt werden sollte.
Der Referent Prof. Honegger stellte eine ähnlich angelegte Studie vor, die zu vergleichbaren Ergebnissen führte wie die Studie aus Vortrag 1. Zwei Drittel der akromegalen Patienten würden allein durch eine Operation dauerhaft geheilt. Es gelänge zwar bei allen Patienten mit postoperativ (nach der OP) erhöhten IGF-1-Werten, diese medikamentös über Jahre zu senken. Prof. Honegger bezeichnete die Therapieergebnisse jedoch als noch nicht zufriedenstellend. Er forderte daher, die medikamentöse Therapie zukünftig zu optimieren.
Der dritte Vortrag stellte Studien vor, deren Ergebnisse die postoperative medikamentöse Therapie maßgeblich verbessern könnte. Der Niederländer Dr. Neggers referierte zum Thema „Combination Therapy for Uncontrolled Acromegaly - a Convincing Concept" (übersetzt „Eine Kombinationstherapie für unkontrollierte Akromegalie - eine überzeugende Idee").
Die kombinierte Anwendung eines Somatostatin-Analogons mit einem GH-Rezeptor-Antagonisten brachte überzeugende Ergebnisse. Die IGF-1-Spiegel sanken bei fast allen Patienten in den Normbereich.
In den Studien wurde die Langzeitanwendung der Kombinationstherapie erfolgreich getestet: Bei niedriger Dosierung wurde eine optimale Wirkung und hohe Sicherheit der Medikamente festgestellt.
In der anschließenden Diskussion wurde festgehalten, dass aufgrund dieser Studienergebnisse auch in Deutschland darüber nachgedacht werden sollte, die Kombinationstherapie vermehrt anzuwenden. Nach Überzeugung der Autorin des Kongressberichts, könnte die Kombinationstherapie möglicherweise die Standardtherapie der Zukunft in der medikamentösen Behandlung der Akromegalie werden.
Den ausführlichen Bericht inklusive Hintergrundinformationen und Erläuterungen zu fachlichen Themen können Sie hier herunterladen.