Nachsorge und Kontrolluntersuchungen sind bei Akromegalie von größter Bedeutung

09.10.2009

Im Anschluss an eine Operation oder eine Strahlentherapie und im Verlauf einer medikamentösen Therapie müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, um den Behandlungserfolg sicherzustellen.

Akromegalie NachsorgeDie Akromegalie ist eine Erkrankung, bei der eine Operation, eine Strahlentherapie oder die medikamentöse Behandlung nicht automatisch die endgültige Heilung bedeuten. Moderne Therapien bieten zwar sehr gute Heilungschancen. Dennoch ist eine regelmäßige Überprüfung des Behandlungserfolgs über längere Zeiträume erforderlich, um das erneute Auftreten der Erkrankung sicher auszuschließen oder, falls erforderlich, die Therapie umzustellen bzw. zu ergänzen. Dies bekräftigen auch die neuesten Studienergebnisse, die auf dem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie präsentiert wurden. Experten empfehlen weiterhin, für die Nachsorge einen Endokrinologen aufzusuchen.

 

Die Blutkonzentrationen von GH und IGF-1 zeigen die Wirksamkeit der Behandlung an

Die Aktivität einer Akromegalie wird aufgrund der Konzentration des Wachstumshormons (Growth hormone, GH) und des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktors vom Typ 1 (Insulin-like growth factor-1, IGF-1) im Blut bestimmt. Die Werte für das Wachstumshormon werden dabei im Verlauf eines Glukose-Belastungstests ermittelt. Wissenschaftler haben Grenzwerte für GH und IGF-1 festgelegt, bei denen die Lebenserwartung von Akromegalie-Patienten erwartungsgemäß denen der gesunden Bevölkerung entspricht. Dabei wird zwischen der vollständigen Heilung und der Beherrschung der Erkrankung unterschieden (s. Tabelle). Wird eine Heilung oder Beherrschung der Krankheit erreicht, sind keine weiteren Behandlungsmaßnahmen erforderlich. Regelmäßige Kontrollen bleiben aber in beiden Fällen notwendig. Sie sollten nach Abschluss der einleitenden Behandlung in jährlichem Abstand erfolgen.

 

Tabelle:

Beurteilung des Behandlungserfolgs anhand von GH und IGF-1

GH im Blutserum (ausschlaggebend ist der tiefste Wert, der während eines Glukosebelastungstests erreicht wird) IGF-1 im Blutserum (als Bezugsgröße dient der auf das jeweilige Lebensalter und Geschlecht bezogene Normalwert)
Heilung der Akromegalie < 0,4 µg/l normal
Beherrschung der Akromegalie < 2 µg/l normal

Eine Sonderstellung nimmt hinsichtlich der Überprüfung des Therapieerfolgs die Behandlung mit einem so genannten GH-Rezeptor-Antagonisten (GH-RA) ein. Ein GH-RA bessert eine Akromegalie nicht wie die anderen Behandlungsmethoden dadurch, dass die Konzentration von Wachstumshormon im Blut verringert wird, sondern verhindert dessen Wirkung an den Körperzellen. Es können unter der Behandlung also durchaus hohe GH-Konzentrationen im Blut vorkommen, obwohl die Therapie gut anschlägt. Die Beurteilung der Behandlungswirkung erfolgt bei der GH-RA-Therapie deshalb allein aufgrund der IGF-1-Werte.

 

Besonderheiten, die bei den unterschiedlichen Behandlungsverfahren beachtet werden müssen

Operation

Eine gründliche Überprüfung des Behandlungserfolgs nach einer Operation an der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) erfolgt drei Monate nach dem Eingriff. Dieser Zeitraum ist notwendig, da die unterschiedlichen Hormonspiegel sich nur langsam normalisieren. Die Untersuchung umfasst eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes, die Bestimmung von GH während eines Glukose-Belastungstests, IGF-1 sowie weiterer Hirnanhangsdrüsenhormone, die durch die Geschwulst in der Hypophyse verändert worden sein könnten. Bei ausreichendem Erfolg der Behandlung erfolgen weitere Kontrollen in jährlichem Abstand. Ist durch die Operation keine Heilung oder Beherrschung der Akromegalie erreicht worden, wird die Behandlung in Form einer medikamentösen oder - seltener - einer Strahlentherapie fortgesetzt.

 

Medikamentöse Therapie

Somatostatin-Analoga:
Somatostatin-Analoga gelten als Standardtherapie der Akromegalie. Sie müssen in den meisten Fällen dauerhaft verabreicht werden, da die Überproduktion von Wachstumshormon erneut einsetzt, sobald die Gabe der Medikamente unterbrochen wird. Werden sie von den Patienten regelmäßig eingenommen, erzielen sie hervorragende Behandlungsergebnisse. Nach der anfänglichen Einstellung der Therapie sind regelmäßige Kontrollen des Behandlungserfolgs in jährlichem Abstand notwendig, um die Behandlung gegebenenfalls anpassen zu können. Somatostatin-Analoga können in einigen Fällen langfristig zur Bildung von Gallensteinen führen, die allerdings meist keine Beschwerden verursachen. Bei Kontrolluntersuchungen oder wenn entsprechende Symptome auftreten, muss deshalb die Möglichkeit eines Gallensteinleidens berücksichtigt werden. Auch der Zuckerstoffwechsel muss regelmäßig kontrolliert werden.

Dopamin-Agonisten:
Im Anschluss an die anfängliche Einstellung der Dosis sind bei ausreichendem Behandlungserfolg lediglich die erforderlichen Kontrolluntersuchungen im Abstand von einem Jahr notwendig. Dopamin-Agonisten sind jedoch nur relativ selten als alleinige Therapie der Akromegalie ausreichend, um die Erkrankung zu kontrollieren.

GH-Rezeptor-Antagonist (GH-RA):
Im Gegensatz zu den anderen Behandlungsmethoden bei Akromegalie, unterdrückt ein GH-RA nicht die Freisetzung von Wachstumshormon, sondern verhindert dessen Wirkung im Körper. Für die Beurteilung des Behandlungserfolgs ist die Messung der Wachstumshormon-Konzentration im Blut daher nicht geeignet. Die Therapiewirkung wird somit vor allem danach beurteilt, ob die IGF-1-Werte im Normalbereich liegen. Die Gabe von GH-RA erfolgt ebenfalls dauerhaft.

Da ein Hypophysen-Tumor unter der Behandlung mit einem GH-RA weiter wachsen kann, sollte bei der jährlichen Kontrolluntersuchung zusätzlich zu den Blutuntersuchungen ein MRT des Kopfes angefertigt werden. Darüber hinaus sollten während der ersten sechs Monate der Therapie in monatlichem Abstand die Leberwerte der Patienten kontrolliert werden, da es hier zu einem Anstieg kommen kann. Die Leberwerte normalisieren sich in der Regel wieder, sobald der GH-RA abgesetzt wird.

Strahlentherapie

Die neueren Methoden der Strahlentherapie bei Akromegalie zeigen zwar gute Behandlungsergebnisse, doch der Therapieerfolg tritt zumeist erst nach einigen Jahren voll in Erscheinung. Aus diesem Grund benötigen Patienten, die sich einer Strahlentherapie unterziehen, in den ersten Jahren ergänzend eine medikamentöse Behandlung. Kontrollen des Behandlungserfolgs sind deshalb entsprechend dem Vorgehen bei einer medikamentösen Therapie vorzunehmen. Durch die Kontrolluntersuchungen in jährlichem Abstand wird der langsam einsetzende Erfolg der Bestrahlung automatisch berücksichtigt. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, die Spiegel anderer Hypophysenhormone zu kontrollieren, da eine Bestrahlungsbehandlung relativ leicht auch gesundes Gewebe der Hirnanhangsdrüse schädigen kann. Oftmals treten diese Schädigungen erst nach Jahren in Erscheinung. Gegebenfalls muss die verminderte Produktion dieser Hormone dann durch Medikamente ausgeglichen werden.

Quelle:
Chanson Ph, Salenave S: Acromegaly. Orphanet Journal of Rare Diseases 2008, 3:17, Novartis Patientenbroschüre Akromegalie.
Ben-Shlomo A, Shlomo M: Acromegaly. Endocrinol Metab Clin North Am. 2008; 37(1): 101–viii.
Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e. V.: Informationen für Patienten mit Akromegalie.
Melmed S, et al.: Consensus. Guidelines for Acromegaly Management. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2002; 87(9): 4054–4058.
Melmed S, et al.: Consensus statement: medical management of acromegaly. European Journal of Endocrinology 2005; 153: 737–740.

Stand: 09.09.2009
Autor: Jan Groh

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