Bei vielen Akromegaliepatienten wird im Verlauf der Erkrankung das Herz-Kreislaufsystem in Mitleidenschaft gezogen. Durch eine rechtzeitige Therapie lässt sich dieser Prozess vor allem bei jüngeren Patienten wieder rückgängig machen.
Schon lange bevor sich äußerliche Veränderungen beim Betroffenen bemerkbar machen, beeinflusst der Überschuss an Wachstumshormonen die inneren Organe. Vor allem das Herz (griechisch: Kardia) beginnt frühzeitig darauf zu reagieren, am Ende drohen Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt. Ohne Behandlung versterben bis zu 80% der Akromegaliepatienten an diesen kardialen Folgeerkrankungen.
Wie auch an anderen Stellen des Körpers, beginnen die Zellen des Herzens zu wachsen, das Organ vergrößert sich. Dieser Prozess betrifft vor allem das Bindegewebe. Für die Herztätigkeit sind Bindegewebszellen jedoch unbrauchbar, da sie sich nicht zusammenziehen können wie Herzmuskelzellen. Die Leistungsfähigkeit des Pumporgans beginnt daher nachzulassen. Betroffene bemerken das besonders bei körperlichen Anstrengungen.
Je länger die Akromegalie besteht, desto stärker wird das Herz geschädigt: So leiden ältere Patienten mit einer langen Krankheitsdauer zu 90% an einer Herzschwäche, die beide Herzkammern betrifft. Bei jüngeren Patienten unter 30 Jahren ließ sich die Herzvergrößerung immerhin schon bei jedem fünften nachweisen. Die Vergrößerung wird zusätzlich durch den erhöhten Blutdruck gefördert, an dem Akromegaliepatienten oftmals leiden. Denn das Herz muss dann gegen einen höheren Druck anpumpen.
Da das komplette Herz von den Umbauvorgängen betroffen ist, werden auch wichtige Strukturen angegriffen, die für die Erregungsleitung im Herzen zuständig sind. Normalerweise wird der Impuls für den Herzschlag im sogenannten Sinusknoten erzeugt. Dieser befindet sich im rechten Vorhof. Von dort nimmt die Erregung ihren Lauf über zwei Leitungsbündel bis hin zu den Herzkammern, die sich daraufhin zusammenziehen und für den Herzschlag sorgen.
Werden nun die Leitungsbahnen von Bindegewebe durchwachsen, kann die regelmäßige elektrische Aktivität der Herzmuskelzellen durcheinander geraten. Herzrhythmusstörungen können die Folge sein. In einer wissenschaftlichen Studie zeigte sich, dass fast die Hälfte der untersuchten Akromegaliepatienten darunter litt.
Durch den Überschuss an Wachstums- und anderen Hormonen gerät auch der Stoffwechsel von Akromegaliepatienten aus dem Gleichgewicht. Betroffene neigen zur Zuckerkrankheit, erhöhten Fettwerten und Bluthochdruck - allesamt Risikofaktoren für eine Arterienverkalkung, die im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.
Zur Behandlung der Akromegalie gibt es drei Möglichkeiten: Operation, medikamentöse Therapie und in Einzelfällen eine Bestrahlung. Alle Verfahren zielen letztlich darauf ab, die Konzentration der Wachstumshormone wieder zu normalisieren. Bisher waren vor allem die Veränderungen des Herz-Kreislaufsystems für die erhöhte Sterblichkeit von Akromegaliepatienten verantwortlich. In Studien konnte gezeigt werde, dass sich durch eine effektive Behandlung die negativen Folgeerscheinungen am Herzen nicht nur stoppen, sondern auch wieder rückgängig machen lassen. Dies war aber hauptsächlich bei jüngeren Patienten der Fall, bei denen der Tumor der Hypophyse noch nicht allzu lang bestand.
Die medikamentöse Senkung der Hormonspiegel führte bei Studienteilnehmern unter 40 Jahren zu einer vollständigen Normalisierung der vormals vergrößerten linken Herzkammer und parallel zu einer Verbesserung der Herzleistung. Bei älteren Patienten verkleinerte sich die linke Herzkammer immerhin noch bei jedem Zweiten. Außerdem ließen sich durch die Behandlung auch die mit der Akromegalie verbundenen Herz-Kreislaufrisikofaktoren absenken.
Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Akromegalie sind. Denn eine normale Lebenserwartung lässt sich nur erreichen, wenn die Hormonspiegel dauerhaft abgesenkt bleiben.